Gedichte & Geschichten
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GEDICHT FÜR DEN MONAT MAI

                    Im Schatten der jüngst belaubten Eiche 

 

Die Sonne kam. Die Sonne schwand.

Ich lag getrost den langen Tag im Moos.

Mein Schatten war schmal. Der Baum war breit

Und begrünt - gewiß nicht zum letzten Mal.

 

Des Frühlings farbiger Überfluß

Schwamm leise schaukelnd schon vorbei

Am leicht unterhöhlten Wurzelwerk,

Mithin es war noch immer Mai.

 

Das jüngste, hellste, höchste Grün,

Verzerrt gespiegelt im moorigen Grund,

Gab den fließenden, flachen Gewässern

Einen murmelnden, hellgrünen Mund.

 

Das war wie ein Traum, den die Sonne malt,

Flüchtig, beweglich, golden und grün,

Wie ein Lied, das das Alter überstrahlt,

Die Eiche, das Moor, den samtige Schlaf.